„Das FFC-Team der Zukunft bauen!"

FFC-Manager Siegfried Dietrich im Interview über die zukünftige strategische Ausrichtung des 1. FFC Frankfurt

Herr Dietrich, sollte nicht doch noch ein Wunder geschehen, erleben wir am Sonntag erst einmal das vorläufig letzte Champions-League-Spiel im Stadion am Brentanobad. Kommt da nicht ein wenig Wehmut auf?

Wehmut ist vielleicht nicht der richtige Begriff, denn er klingt auch ein wenig nach Resignation. Und wer mich kennt, der weiß, dass ich mit Resignation nichts anfangen kann. Ich sehe die Entwicklung eher als Motivation, wieder in die europäische Königsklasse zurückzukehren.

Das dürfte bei der aktuellen Konkurrenzsituation mit den starken Lizenzvereinen aus Wolfsburg und München aber nicht einfach werden, oder?

Das ist uns allen bewusst. Und genau deshalb setzen wir uns ja auch nicht dem Druck aus, schon im nächsten Jahr wieder die Champions-League-Qualifikation schaffen zu müssen. Die Vergangenheit hat doch gezeigt, dass es immer wieder Jahre gab, in denen wir nicht international dabei waren – und immer sind wir zurückgekommen. Nach der Final-Niederlage gegen Lyon 2012 in München wurde uns ja auch schon mal prophezeit, dass es das nun gewesen sei mit der Champions League. Zwei Jahre später waren wir wieder dabei und haben prompt den Pokal zum vierten Mal gewonnen.

Lange Zeit war der 1. FFC Turbine Potsdam der Hauptkonkurrent des 1. FFC Frankfurt – ein reiner Frauenfußball-Verein mit einer ähnlichen Infrastruktur und vergleichbaren Rahmenbedingungen. Dann kamen die Lizenzvereine immer stärker auf, was Sie ja auch immer gefordert hatten. Wünschen Sie sich mittlerweile nicht eher die guten alten Zeiten zurück?

Nein, auf keinen Fall. Potsdam und wir haben über einige Jahre wichtige Pionierarbeit geleistet und neue Standards im Vereinsfrauenfußball – auf und neben dem Platz – gesetzt. Damit haben wir gewissermaßen den Boden für die weitere Entwicklung mit deutlich gewachsenem Wettbewerb bereitet und das Interesse der großen Männervereine geweckt. Oder anders gesagt: Wären wir als ‚Benchmarker‘ mit der Professionalisierung des Frauenfußballs nicht in neue Dimensionen vorgestoßen, würde es heute womöglich kein Engagement von Bayern und Wolfsburg geben. Und ich weiß aus Gesprächen mit den Verantwortlichen dieser Klubs, dass man die Entwicklung, die wir mit angeschoben haben, mit großem Respekt bewertet.

Die Frauenfußballvereine haben die Entwicklung angeschoben, aber die großen Lizenzvereine fahren nun die Erfolge ein. Ist das nicht ärgerlich und letztlich auch existenzbedrohend für die ehemaligen Vorreiter?


Unbestreitbar ist, dass der Einstieg der Lizenzvereine zu einem gewissen Ungleichgewicht in der Wettbewerbssituation geführt hat. Wir müssen uns jeden Cent selbst erarbeiten, während die Frauenabteilungen großer Männervereine quasi aus der Portokasse gespeist werden, um es plakativ auszudrücken. Aber man muss auch sehen, dass es starke Unterschiede bei den Männervereinen gibt, wie die Frauenabteilung gelebt wird. Da gibt es ja auch Ansätze wie in Hoffenheim, wo es nicht um schnellen Erfolg geht, sondern die Nachwuchsarbeit im Vordergrund steht. Nicht umsonst steht Hoffenheim derzeit in der 2. Frauen-Bundesliga und in der B-Juniorinnen-Bundesliga an der Tabellenspitze.



Wie schafft es denn der 1. FFC Frankfurt, weiterhin konkurrenzfähig zu sein und nicht auf Jahre den Anschluss zu verlieren?

Unser Ziel ist es, mit Marketingaspekten und neuen Ideen unser Alleinstellungsmerkmal als reiner Frauenfußballverein herauszustellen. Gerade im Bereich Corporate Social Responsibility (CSR), also der unternehmerischen Sozialverantwortung, gilt es, potenzielle Partner mit schlüssigen Konzepten zu überzeugen. Wir leben in einer Zeit, in der immer mehr Frauen für Männerberufe gesucht werden und sich in verantwortungsvollen Positionen behaupten. Es lassen sich Brücken zwischen Gesellschaft, Wirtschaft und Sport schlagen. Man muss nur die passenden Ideen entwickeln! Allerdings sind dies eher mittel- bis langfristige Strategien – aus dem Stand wird die Lücke zu Bayern und Wolfsburg nicht zu schließen sein.

Das bedeutet also, dass der 1. FFC Frankfurt erst einmal nichts mehr mit den vorderen Tabellenplätzen oder gar Titelgewinnen zu tun haben wird?

So drastisch würde ich das nun auch wieder nicht formulieren. Die Weisheit, dass Geld allein keine Tore schießt, bewahrheitet sich im Fußball ja immer wieder. Man denke nur, was Darmstadt in der Männer-Bundesliga mit bescheidenen Mitteln auf die Beine stellt. Wenn man eine Truppe hat, bei der alles zusammenpasst, kann man mit Teamgeist und Charakterstärke auch gegenüber individueller Klasse bestehen. Realistisch betrachtet spielen wir in den nächsten Jahren erst einmal um die Plätze drei bis fünf – aber die Champions-League-Qualifikation wird immer ein Wunschziel bleiben.

Sie haben als Visionär bereits vor vielen Jahren ein stärkeres Engagement von Lizenzvereinen im Frauenfußball gefordert und genau das ist ja auch eingetreten. Wohin bewegt sich der Vereinsfrauenfußball in Deutschland in den nächsten Jahren?

Ich bin mir sicher, dass sich die Philosophie bei den Männervereinen ändern wird. Eine reine Subventionierung der Frauenabteilungen wie in der aktuellen Form wird es sicher nicht ewig geben. Ziel der Lizenzvereine muss es sein, den Frauenbereich langfristig eigenständig lebensfähig zu gestalten. Nur dann wird Nachhaltigkeit auf lange Sicht möglich sein. Sobald die Einnahmen der Klubs durch attraktiven Wettbewerb eigenständig erzielt werden, haben wir als reiner Frauenfußballverein auch wieder die Chance, ganz oben mitzumischen. Aber nochmal: Voraussetzung dafür ist, dass die Einnahmemöglichkeiten auf einer realistischen Grundlage weiterentwickelt werden. Und damit meine ich TV-Gelder, Marketingerlöse und Zuschauereinnahmen.

Teilen Sie die immer mal wieder geäußerten Bedenken, die reinen Frauenfußballvereine könnten – wie viele ehemalige Traditionsklubs vergangener Jahre – irgendwann komplett von der Landkarte verschwinden?

Es liegt allein an den Klubs und den handelnden Personen, ob dieses Szenario eintritt oder nicht. Ich hatte ja eingangs erwähnt, dass mir Resignation fremd ist. Natürlich könnten wir jetzt aufgeben und sagen, es hat keinen Sinn mehr. Aber wollen wir wirklich all das, was wir in 20 Jahren geschaffen und entwickelt haben, einfach wegschmeißen? Ich beantworte diese Frage für den 1. FFC Frankfurt mit einem klaren Nein! Es geht darum, eine Jetzt-erst-recht-Mentalität zu entwickeln! Und es gibt keinen Grund, uns kleiner zu machen als nötig, schließlich spricht die Historie für uns: Wir sind der Rekordhalter in Frauen-Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League. Wir leisten eine sehr gute Nachwuchsarbeit und verfügen insgesamt über drei Bundesliga-Teams. Das alles ist Motivation genug, auch die nächsten Herausforderungen zu meistern: Wir wollen mit einer Mischung aus Leistungsträgerinnen, Top-Talenten und Eigengewächsen das FFC-Team der Zukunft bauen!

(Bilder: Jan Hübner / www.huebner-foto.de)

28.04.2016
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