Entscheidender Faktor Effektivität

Der 1. FFC Frankfurt unterliegt in einem intensiven DFB-Pokal-Viertelfinale dem 1. FFC Turbine Potsdam mit 0:2

Die 14. Teilnahme an einem DFB-Pokalfinale muss der 1. FFC Frankfurt um mindestens ein weiteres Jahr verschieben: Der Rekordgewinner unterlag im DFB-Pokal-Viertelfinale mit 0:2 gegen den 1. FFC Turbine Potsdam und schied damit aus dem Wettbewerb aus. In einem intensiven, umkämpften Klassiker setzte sich vor 1.410 Zuschauern im Stadion am Brentanobad die Effektivität der Potsdamerinnen durch – der 1. FFC Frankfurt schaffte es nicht, seine zahlreichen Chancen in Zählbares umzusetzen. So entschieden die Treffer der deutschen Nationalspielerinnen Johanna Elsig und Svenja Huth das Aufeinandertreffen der klassischen Frauenfußballclubs, das deutschlandweit live auf Sport1 und DFB-TV zu sehen war.

Die Voraussetzungen in diesem Vergleich auf Augenhöhe – nimmt man die Liga-Platzierungen sowie das Hinspiel in Potsdam als Maßstab – waren tatsächlich ausgeglichen: Auf beiden Seiten fielen Leistungsträgerinnen aus, wobei das Verletzungspech die Gäste erst in den letzten Tagen traf. Und beide Teams konnten sich auf Grund zahlreicher Länderspielabstellungen nur wenige Tage mit (fast) voller Kaderstärke vorbereiten. Nach einer zwölfminütigen Abtastphase nahm der Pokal-Klassiker Fahrt auf, was allein an den Gastgeberinnen lag: Ana-Maria Crnogorcevic setzte sich auf der rechten Seite durch legte mit einer gut getimten Flanke für Tanja Pawollek auf, die mit einem Kopfball aus kurzer Distanz an der glänzend aufgelegten Turbine-Torfrau Lisa Schmitz scheiterte. Die ehemalige Leverkusenerin sollte einen „Sahne-Tag“ erwischen, das deutete sich hier schon an. Und dennoch: Der FFC war das bessere von zwei engagierten Teams, hätte die Führung verdient gehabt.

Der zweite entscheidende Faktor im Spiel der Potsdamerinnen hieß an diesem Tag Svenja Huth, die in der 16. Minute zum ersten Mal in Erscheinung trat, als sie ihre ehemalige Teamkollegin Desirée Schumann prüfte (16.). Die Ex-Frankfurterin war auch an der kalten Dusche beteiligt, die der 1. FFC Frankfurt in der 21. Minute hinnehmen musste: Zunächst schrammte Ana-Maria Crnogorcevic nach einem scharf ins Zentrum geschlagenen Freistoß von Svenja Huth knapp an einem Eigentor vorbei, dann köpfte Johanna Elsig nach einer Huth-Ecke zur Potsdamer Führung ein. Die Reaktion des 1. FFC Frankfurt ließ nicht lange auf sich warten: Gleich zwei Mal innerhalb weniger Sekunden scheiterte Kumi Yokoyama an Lisa Schmitz (22.). Das hätte der Ausgleich sein müssen – doch er war es nicht. Und genau in solchen Szenen deutete sich schon an, was in der Endabrechnung den Unterschied ausmachen sollte. Doch noch war aus Sicht des gastgebenden FFC’s ja nichts verloren. Die Schützlinge von Cheftrainer Niko Arnautis schmissen sich weiterhin in jeden Zweikampf und drängten auf den Ausgleich. Stattdessen folgte der nächste Genickschlag: Eher zufällig prallte der Ball im FFC-Strafraum von Gina Chmielinski ab; Svenja Huth zeigte sich gedankenschnell und ließ Desirée Schumann keine Chance – 0:2 (35.).

Am Willen, ein schnelles Anschlusstor zu erzielen, mangelte es dem 1. FFC Frankfurt nicht, weder in den verbleibenden Minuten bis zur Halbzeitpause noch in der zweiten Hälfte. Doch die Gäste agierten nun clever, waren nicht mehr mit aller Konsequenz auf den dritten Treffer, sondern auf Ergebniskontrolle aus. Und das machte es für die aufopferungsvoll kämpfenden Frankfurterinnen nicht leichter, zurück ins Spiel zu finden. Chancen dafür waren jedenfalls vorhanden: Kumi Yokoyama bediente Ana-Maria Crnogorcevic, die den Ball auf das statt ins Tornetz bugsierte (67.). Eine Minute später verhinderte Desirée Schumann das 0:3 und den zweiten Treffer von Svenja Huth. Keine Frage: Die gebürtige Alzenauerin war der Motor im FFC-Spiel, als Vorbereiterin wie als Vollstreckerin. Für eine spannende Schlussphase hätte eine Viertelstunde vor Schluss Kumi Yokoyama sorgen können, doch der Schuss der japanischen Nationalspielerin aus zentraler Position ging ein gutes Stück drüber. Dann brachte FFC-Cheftrainer Niko Arnautis seinen „jüngsten Youngster“ Shekiera Martinez in die Partie – es war der zweite Einsatz der 16-Jährigen für das FFC-Bundesliga-Team. Nun wäre es vermessen gewesen, ausgerechnet von ihr die Wende im Alleingang zu erwarten. Aber die U17-Nationalspielerin schaffte es tatsächlich noch, den einen oder anderen Akzent zu setzen. So wie in der 85. Minute, als sie einen Freistoß „provozierte“, den Julia Matuschewski ausführte. Für die polnische Nationalspielerin war es die erste Aktion Sekunden nach ihrer Einwechselung – schade, dass sie den Ball nicht voll traf. Bis zum Abpfiff glaubten die Frankfurterinnen weiter an ihre Chance, Aufgeben war auch im Angesicht der immer lauter tickenden Uhr keine Option. Erst als Schiedsrichterin Angelika Söder nach dreiminütiger Nachspielzeit die Partie beendete, war es definitiv: Der Final-Traum war zu Ende, das DFB-Pokal-Halbfinale findet – zum dritten Mal in Folge – ohne den neunmaligen Titelträger statt.



Nun kann sich der 1. FFC Frankfurt also ganz auf die Allianz Frauen-Bundesliga konzentrieren, in der es bereits in vier Tagen wieder um Punkte geht: Am Sonntag, dem 18. März 2018, 11.00 Uhr, ist der aktuelle Tabellenfünfte beim SC Sand zu Gast.

Matthias Rudolph, Trainer 1. FFC Turbine Potsdam: „Kompliment an meine Mannschaft, die unter Berücksichtigung unserer personellen Probleme eine sensationelle Leistung abgeliefert hat. Wir können uns heute bei unserer Torfrau Lisa Schmitz bedanken, dass wir ins DFB-Pokal-Halbfinale eingezogen sind, schließlich hatte Frankfurt einige gute Chancen. Auch Svenja Huth, die ich für eine der besten Spielerinnen Deutschlands halte, war heute ein Erfolgsgarant.“

FFC-Cheftrainer Niko Arnautis: „Ich bin enttäuscht über das Resultat und zugleich stolz auf meine Mannschaft, der ich heute überhaupt keinen Vorwurf machen kann. Wir haben in der ersten Hälfte ein richtig gutes Spiel gemacht, waren aus meiner Sicht klar die bessere Mannschaft. Dass mein Trainerkollege Matthias Rudolph die Leistung seiner Torfrau so hervorhebt, sagt schon einiges aus. Ärgerlich war, dass wir nach einer Ecke in Rückstand geraten sind, obwohl wir um die Gefahr von Potsdam bei Standards wussten. Doch selbst nach dem zweiten Gegentreffer hat sich meine Mannschaft nie aufgegeben und immer an sich geglaubt. Klar ist es schwer, nach einem 0:2 noch zurückzukommen – aber wenn uns der Anschlusstreffer gelungen wäre, hätte es noch einmal eng werden können. Letztlich hat heute die Effizienz den Ausschlag gegeben, doch das wird uns mit Blick auf die kommenden Wochen und Monate nicht zurückwerfen. Wenn wir weiterhin einen solch erfrischenden Fußball spielen, werden die entsprechenden Ergebnisse in der Liga folgen!“

FFC-Manager Siegfried Dietrich: „Einmal mehr haben wir uns mit einer Niederlage der besonderen Art aus dem DFB-Pokal-Wettbewerb verabschiedet! Bei allem Respekt vor Potsdam, die sich mit Effizienz den Einzug ins Halbfinale verdient haben, ist es uns trotz einer richtig starken ersten Halbzeit mit einem halben Dutzend Chancen und einer guten Energieleistung über die Gesamtspielzeit leider nicht gelungen, die Partie zu unseren Gunsten zu gestalten! Unser Team hätte mehr verdient gehabt als sich für viele Komplimente nach dem Schlusspfiff nichts kaufen zu können! Wichtig ist es nun, das unbefriedigende Pokalergebnis abzuhaken und die vielen positiven Aspekte aus unserem heutigen Auftritt bei der wichtigen Bundesliga-Auswärtsbegegnung am kommenden Sonntag in Sand in die Waagschale zu werfen!“

1. FFC Frankfurt: Schumann – Hendrich, Kleinherne (89. Munk), Prießen, Hechler (76. Martinez), Sandvej – Groenen, Schmidt, Pawollek – Yokoyama (86. Matuschewski), Crnogorcevic.

1. FFC Turbine Potsdam:
Schmitz – Elsig (83. Georgieva), Kiwic, Ilestedt – Aigbogun, Zadrazil, Cahynova, Chmielinski, Schwalm (77. Gasper) – Prasnikar (80. Ehegötz), Huth.

Tore: 0:1 Elsig (21.), 0:2 Huth (35.)

Schiedsrichterin:
Angelika Söder (Ingolstadt)

Zuschauer: 1.410

Gelbe Karten: Chmielinski – Hechler, Pawollek

(Bilder: Carlotta Erler / www.picture-alliance.com)

13.03.2018
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