Am Punkt vorbeigeschrammt

In Unterzahl und nach 0:3-Rückstand beweist der 1. FFC Frankfurt beim 3:4 gegen die SGS Essen Moral

Tolle Moral, klasse Kampfgeist bewiesen – aber trotzdem reichte es am Ende nicht: Nach einem 0:3-Rückstand verliert der 1. FFC Frankfurt in einem spannenden und wilden Schlagabtausch in Unterzahl am 16. Spieltag der Allianz Frauen-Bundesliga 3:4 (0:2) bei der SGS Essen.

Im Stadion Essen an der Hafenstraße startete der Gastgeber angriffslustig – erste Torannäherungen wie von Nicole Anyomi nach fünf Minuten gefährdeten den FFC-Kasten kaum. Kurze Zeit später hatte auch der FFC seine erste Gelegenheit, als ein kluger Pass von FFC-Außenverteidigerin Janina Hechler die für die verletzte Jackie Groenen in die Startelf gerückte Margarita Gidion erreichte, die aber noch vor ihrem Abschluss gestört werden konnte. Die erste halbe Stunde gehörte aber Essen; Manjou Wilde hatte nach acht Spielminuten die Führung auf dem Fuß: Eine flache Hereingabe von Anyomi von der linken Seite erreichte die SGS-Kapitänin, die den Ball aber rechts neben das Tor setzte. Keine Frage, die Führung für den Klub aus dem Ruhrpott deutete sich an, nach zehn Minuten war es soweit: Ein platzierter Weitschuss Turid Knaaks fand seinen Weg in das FFC-Tor zum 1:0 (10.). Doch der FFC antwortete mit Offensivaktionen: Verena Aschauers Versuch segelte über das Tor (12.), Laura Feiersingers Pass in die Spitze wurde nur knapp gestoppt, bevor Géraldine Reuteler frei auf SGS-Keeperin Klostermann zugelaufen wäre (14.).

Glück für den FFC, dass SGS-Akteurin Danica Wu den durchgesteckten Ball nicht mehr erreichte (28.). Pech hingegen aus Frankfurter Sicht, dass SGS-Torfrau Lisa Klostermann den Torabschluss der alleine auf sie zugestartete Aschauer (29.) abwehrte – eine hundertprozentige Chance für die hessischen Gäste, die bei erfolgreichen Abschluss den verdienten Ausgleich dargestellt hätte. Die Essenerinnen agierten cleverer und erhöhten auf 2:0, als Ramona Petzelberger eine Herengabe von Lea Schüller in der Mitte nach einem Missverständnis im Nachgang noch verwertete (32.). Auch wenn die Führung der SGS verdient war, hatte auch der 1. FFC Frankfurt noch vor der Pause die Möglichkeiten, den Anschlusstreffer zu erzielen: Laura Freigang erwischte den feinen Aschauer-Pass nicht mehr ganz, sodass der Tor neben den Pfosten ging (39.). Der FFC machte zu wenig aus seinen Torchancen. Dazu folgte folgte noch vor dem Pausenpfiff ein Schockmoment für Frankfurt. Bei einem langen Anspiel auf Lea Schüller kam FFC-Keeperin Bryane Heaberlin zu spät und blockte die SGS-Stürmerin – und vereitelte so eine klare Torchance. Die leider folgenrichtige Rote Karte dezimierte die Anzahl der FFC-Spielerinnen und – zumindest scheinbar – die Chancen, zurück in die Partie zu kommen (41.). Ihren Platz im Tor nahm Cara Bösl ein, die für Gidion eingewechselt wurde.

Kaum hatte die zweite Halbzeit begonnen, erhöhte Essen lauf 3:0: Ein langer Ball hebelte die komplette Frankfurter Defensive, die schnelle Knaak schloss eiskalt ab (48.). Der FFC gab sich zwar nicht auf, doch viele Offensivakzente blieben im Ansatz stecken, es mangelte ein wenig an Präzision – doch auch die SGS Essen spielte viele Situationen nicht optimal aus und verpasste es, die endgültige Entscheidung zu erzielen. FFC-Keeperin Bösl verhinderte im Eins-gegen-eins gegen Schüller den nächsten Gegentreffer (71.), bevor die SGS-Stürmerin wenige Augenblicke später im FFC-Fünfmeterraum eine weitere Chance verpasste und die Kugel über den Querbalken hämmerte. Eher zufällig führte ein Fehler in der SGS-Defensive dazu, dass FFC-Stürmerin Reuteler eiskalt und überlegt das 1:3 erzielte (77.). Nach Wiederanstoß war es Anyomi, die einen Torabschluss nur knapp über die Latte setzte und es verpasste, den alten Drei-Tore-Abstand wieder herzustellen.

Das Spiel nahm nun an Fahrt auf, die Moral und der Kampfgeist der Frankfurterinnen ließen ahnen, dass doch noch etwas ging: Mit dem Tor flammte wieder Offensivgeist bei den FFC-Spielerinnen auf, die trotz Unterzahlspiel mutig nach vorne spielten. Und der Rekordmeister wurde vorerst sogar belohnt, erhöhte die Schlagzahl in den Schlussminuten enorm: Nach 81 Spielminuten wurde Tanja Pawollek bei einer Flanke von Klostermann im SGS-Strafraum getroffen, Marith Prießen verwandelte den fälligen Foulelfmeter – und verursachte direkt danach selbst einen Strafstoß (83.). Anyomis Schuss aus elf Metern hielt Bösl zwar noch mit einer Glanzparade, doch im Nachgang erzielte die SGS-Juniorinnen-Nationalspielerin das 4:2; es ging auf und ab. Sarah Freutel hatte kurz darauf gar die Chance, den nächsten Treffer in dieser wilden Partie für die Essenerinnen zu erzielen. Der FFC warf nun aber alles nach vorne, gab sich nicht auf und mit der eingewechselten Shekiera Martinez erzielte tatsächlich die Stürmerin ihren zweiten Bundesliga-Treffer (90.+1) zum 3:4. Der siebenfache Deutsche Meister witterte seine Chance in Unterzahl und setzte alles auf die Karte „Ausgleich“. Sophia Kleinherne hatte nach einem Eckball sogar die Chance, in einem verrückten Spiel das 4:4 zu erzielen, aber es blieb beim Essener 4:3-Sieg.

Am kommenden Sonntag empfängt der 1. FFC Frankfurt am 17. Spieltag in der Allianz Frauen-Bundesliga den FC Bayern München zum Topspiel. Anpfiff im Stadion am Brentanobad zum TV-Spiel – Sport1, DFB-TV und Magenta Sport übertragen die Begegnung – ist um 15.00 Uhr.

Daniel Kraus, Trainer SGS Essen: „Wir wussten, dass Frankfurt in der Liga 2019 noch ungeschlagen war und immer wieder eine tolle Mentalität gezeigt hat und stark in der Offensive ist. Anfangs haben wir es sehr gut gemacht, da kann ich meiner Mannschaft nicht viele Vorwürfe machen. Trotzdem bringen wir den Gegner mit Querpässen hinten und Fehlern wieder ins Spiel – und lassen gleichzeitig zu viele Torchancen liegen. Ich bin froh über die drei Punkte, aber kann insgesamt nicht richtig glücklich sein, dass wir unnötig in Gefahr geraten – über die Art und Weise müssen wir sprechen.“

FFC-Cheftrainer Niko Arnautis:
„Es ist schwierig, über das Spiel zu sprechen – Fakt ist, dass die Zuschauer ein tolles, intensives, schnelles und spannendes Spiel gesehen haben. Die erste halbe Stunde waren wir nicht in der Lage zu zeigen, was wir spielen können – Essen war aggressiver und präsenter. Trotzdem hatten wir eine Riesenchance zum 1:1, kassieren im Gegenzug das 0:2. Nach der Pause und der Roten Karte wollten wir kompakter agieren und nicht untergehen gegen eine starke SGS. Nach dem 0:3 sind wir nicht eingeknickt, haben Moral gezeigt – ich muss die Comebackqualität meiner Mädels loben: Mit dem Schlusspfiff können wir mit Glück sogar das 4:4 erzielen, dann sprechen wir von einer „Jahrhunderthalbzeit“ beim FFC. Die erste Halbzeit haben wir verpennt, Essen das Spiel fast geschenkt, aber in Unterzahl nach 0:3 Riesenmentalität bewiesen!“

FFC-Manager Siegfried Dietrich: „Schade, dass wir uns heute in Essen, ähnlich wie im Pokalspiel gegen München, einmal mehr schwer getan haben, in der ersten Halbzeit das zu zeigen, was wir eigentlich können! Umso größer aber der Respekt vor unserem Team, nach dem 0:3-Rückstand und vergebenen Chancen derartig Moral zu beweisen, dass wir mit einer Spielerin weniger noch drei Treffer erzielen und kurz vor Schluss noch eine Doppelchance zum Ausgleich haben. Was für ein spektakuläres Spiel für die Zuschauer, aus dem wir wieder viel Lehrreiches, aber auch Selbstvertrauen für die nächsten Herausforderungen mitnehmen.“

SGS Essen: Klosterman – Klasen, Brüggemann, Hegering, Ostermeier – Knaak (80. Oberdorf), Wilde (64. Freutel), Petzelberger (88. L. Dallmann), Wu – Schüller, Anyomi

1. FFC Frankfurt: Heaberlin – Kleinherne, Prießen, Störzel, Hechler (52. Widmer) – Pawollek, Gidion (42. Bösl) – Feiersinger, Freigang (84. Martinez),  Aschauer – Reuteler

Tore: 1:0 Knaak (10.), 2:0 Petzelberger (32.), 3:0 Knaak (48.), 3:1 Reuteler (77.), 3:2 Prießen (82./Foulelfmeter), 4:2 Anyomi (84.), 4:3 Martinez (90.+1)

Schiedsrichterin: Mirka Derlin (Bad Schwartau)

Zuschauer: 1060

Gelbe Karten:
– / Gidion, Prießen

Rote Karte: Heaberlin

(Fotos: Carlotta Erler)

16.03.2019
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