Guter Auftritt - zu hohe Pleite

Der 1. FFC Frankfurt muss sich nach couragierter Leistung im ersten Auswärtsspiel München 0:3 geschlagen geben

Am zweiten Spieltag der FLYERALARM Frauen-Bundesliga-Saison 2019/20 verlor der 1. FFC Frankfurt sein Auswärtsspiel am Freitagabend nach, das live bei Eurosport und online bei Magenta Sport gezeigt wurde, couragierter Leistung beim FC Bayern München 0:3 (0:1). Für den FFC war es das zweite Spiel auf dem FC Bayern Campus, die Premiere hatte der deutsche Rekordmeister vom Main im Hinspiel der vergangenen Spielzeit Ende Oktober, als man nach früher Führung durch Saskia Matheis‘ Debüttor und gutem Spiel sich 1:3 geschlagen geben musste.

Der Gastgeber aus der bayrischen Landeshauptstadt begann dieses Mal druckvoll in den intensiven Anfangsminuten, auch wenn die Hessinnen diesem Ansatz mit einem aggressiven Gegenpressing versuchten, das Tempo und die Offensivpower zu nehmen – was durchaus gelang. Der FFC stand kompakt und ließ in der ersten Viertelstunde keinen einzigen Torschuss zu, einziges Manko dabei: Die Hessinnen produzierten selbst auch keine Offensivszenen. Die erste Torannäherung hatten die FCB-Frauen in der 19. Spielminute. Die kämpferischer Vorstellung des FFC, der sich dieser Auswärtsherausforderung mit dem 3:2-Erfolg gegen Turbine Potsdam vor einer Woche im Rücken selbstbewusst annahm, war beeindruckend.

Nach vorne waren – ähnlich wie teilweise gegen Potsdam – die Pässe in die Schnittstellen der Bayern-Abwehr zu unpräzise, als dass eine der FFC-Offensivkräfte gefährlich in Szene gesetzt worden wäre. Im Gegenzug konnte die FFC-Defensive die Schnelligkeit und technische Klasse der niederländischen Vizeweltmeisterin Lineth Beerensteyn nicht unterbinden, als diese von hinten mit einem langen Pass so angespielt werden konnte, dass sie allen Frankfurterinnen davon sprintete, FFC-Keeperin Bryane Heaberlin ausspielte und zur Führung einschob (30.). Nun mussten die Hessinnen offensiver denken, um das Ergebnis zu drehen: Es ergaben sich einige sehenswerte Ansätze, doch Torchancen – außer einem Freistoß von Kapitänin Tanja Pawollek (45.) – konnte sich der FFC vor dem Pausenpfiff nicht erarbeiten. Trotz des 0:1-Rückstandes zur Pause konnte FFC-Cheftrainer Niko Arnautis zufrieden mit der Leistung seines Teams sein, das eklig spielte und den Münchnerinnen das Leben schwer machte.

Ein ähnliches Bild bot sich den Zuschauern am FC Bayern Campus auch zur Halbzeit zwei: Die FFC-Akteurinnen zwangen ihre Gegnerinnen aus Bayern immer wieder zu Abspielfehlern und waren gallig in den Zweikämpfen, ließen nur harmlose Torabschlüsse der FCB-Frauen zu oder entschärften Situationen rechtzeitig. Etwas dürftig und zögerlich wirkte allerdings der eigene Offensivauftritt: Zu selten spielten die FFC-Akteurinnen eigene Angriffe genau zu Ende, sodass Gefahr für die Münchnerinnen aufgekommen wäre. Mehr und bessere Torchancen erarbeiteten sich die Bayern-Frauen, gerade mit Standardsituationen: Torschützin Beerensteyn verzog nur knapp (57.). Die niederländische Stürmerin war es kurz darauf, die das Ergebnis auf 2:0 stellte. Unaufmerksam waren die FFC-Abwehrspielerinnen nach einem eigenen Ballverlust, als ein langer Pass von Lina Magull auf Linda Dallmann, die nur querlegen musste, sodass Beerensteyn locker einschieben konnte (59.).

Die Frankfurterinnen gaben nicht auf: Géraldine Reuteler erzwang durch eine Grätsche gegen FCB-Torfrau Laura Benkarth fast den 1:2-Anschlusstreffer (61.). Die Partie war nun offener geführt, sodass sich mehr Räume für beide Mannschaften und zwangsläufig mehr Tormöglichkeiten ergaben. Eine Glanzparade von Heaberlin nach Kopfball von Beerensteyn verhinderte das 0:3 (63.) – um nach der anschließenden Ecke ein äußerst unglückliches Eigentor vom Schweizer FFC-Neuzugang Sandrine Mauron zu kassieren (64.), die nach einer FCB-Flanke von Verena Schweers an der Strafraumkante den Ball unglücklich erwischte und per Bogenlampe über ihre Keeperin hinweg in den eigenen Kasten verlängerte. Bayern hatte nun einige gute Kontergelegenheiten, um das Ergebnis weiter in die Höhe zu schrauben. Den Ehrentreffer hätte Reuteler erzielen können, die einen Stellungsfehler in der Bayern-Abwehr von Ilestedt fast ausnutzte, doch die Schwedin war schnell genug zurückgeeilt, um rechtzeitig ein Bein zwischen Ball und Tor zu bekommen (72.). Auch Pawolleks Fernschuss war nicht ungefährlich (84.). Heaberlin verhinderte auf der anderen Seite zusammen mit der eigenen Latte sogar noch einen vierten Gegentreffer, als eine Flanke von Giulia Gwinn den Kopf von Schweers traf (87.). Die eingewechselte ehemalige FFC-Stürmerin Mandy Islacker rutschte kurz vor Schluss gefährlich in den Strafraum (89.), doch Heaberlin konnte den Richtungsverlauf des Balles blitzschnell erahnen. In der Nachspielzeit hatte die Siegtorschützin des Eröffnungsspiels, Shekiera Martinez, die Chance, doch Benkarth parierte klasse.

Nun steht erst einmal eine längere Ligapause an: Während der Länderspielabstellung am kommenden Wochenende spielt der 1. FFC Frankfurt am kommenden Samstag, dem 31. August, in Telgte bei Sophia Kleinhernes früherem Klub, der SG Telgte, ein Freundschaftsspiel, bevor der deutsche Rekordpokalsieger vom Main in den DFB-Pokal eingreift. In der zweiten Runde reist der FFC am Sonntag, dem 8. September, zu RB Leipzig; Anstoß in der Messestadt ist um 14.00 Uhr. Das nächste Spiel in der Frauen-Bundesliga findet eine Woche später am Sonntag, dem 15. September, im heimischen Stadion am Brentanobad gegen den FF USV Jena statt (14.00 Uhr).

Jens Scheuer, Cheftrainer FC Bayern München: „Der FFC war ein super Gegner, den man nicht so einfach schlagen kann. Nach dem ersten Tor haben wir uns auch einige Chancen erspielt, am Ende hätte das Spiel auch 6:2 ausgehen können. Wir können in der ersten Halbzeit auch nicht alles entscheiden, haben aber hinten heraus die Qualität. Lineth hat mit ihrer Geschwindigkeit in den entscheidenden Momenten alle überlaufen, das 2:0 war dann die Vorentscheidung – so wollen wir Fußball spielen: Kopf hoch und querlegen, das war herausragend gespielt!“

FFC-Cheftrainer Niko Arnautis: „Das Ergebnis und die Gegentore haben mich extrem geärgert. Aber mein Team hat gezeigt, welche Mentalität es hat, auch unsere angeschlagene Kapitänin Tanja hat sich hervorragend durchgebissen. Nach dem ersten Gegentor ist es enorm schwer, noch etwas zu holen. Das 0:2 fiel zu locker, das darf uns nicht passieren. Das Endergebnis ist etwas zu hoch ausgefallen, außer dem ersten Gegentor hatte München keinen Torschuss, weil wir nichts zugelassen haben. Wir selbst hatten nicht viele Möglichkeiten, das Spiel aber somit offen gehalten nach einer guten Leistung.“

FFC-Manager Siegfried Dietrich: „Trotz der Niederlage bin ich davon angetan, mit welcher Einstellung, Mentalität und Spielfreude sich unser junges Team in München gegen den klaren Favoriten präsentiert hat. Auch nach den Toren wurde im Sinne unserer Spielphilosophie weiter gefightet. An solchen Spielen werden wir für die Zukunft wachsen!“

FC Bayern München: Benkarth – Schweers, Ilestedt, Laudehr, Gwinn – Hendrich (46. Simon), Leupholz – Dallmann, Magull, Damnjanovic (35. Riley) – Beerensteyn (77. Islacker)

1. FFC Frankfurt: Heaberlin – Hechler (90.+1 Weilharter), Kleinherne, Störzel, Santos – Pawollek, Mauron – Dunst (79. Martinez), Freigang (85. Matheis), Feiersinger – Reuteler

Tore: 1:0 Beerensteyn (30.), 2:0 Beerensteyn (59.), 3:0 Mauron (64.)

Schiedsrichterin: Riem Hussein (Bad Harzburg)

Zuschauer:
762

Gelbe Karten: Hendrich / Mauron, Dunst

 

(Fotos: FC Bayern München)

23.08.2019
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