„Mannschaftsgefühl als Motivation“

Interview mit FFC-Kapitänin Kerstin Garefrekes vor dem letzten Spiel ihrer langen und erfolgreichen Karriere

Ihr 355. Bundesliga-Einsatz wird zugleich ihr letzter sein: Mit dem Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen (Pfingstmontag, 16. Mai 2016, 14.00 Uhr) endet die lange und erfolgreiche Karriere von Kerstin Garefrekes – wieder hängt eine große Persönlichkeit des weltweiten Frauenfußballs die Schuhe an den Nagel. Vor ihrem „Abschiedsspiel“, das sich die 36-Jährige auch nicht von einem doppelten Nasenbeinbruch nehmen lässt, blickt „KG“ im Interview noch einmal auf den zu Ende gehenden Lebensabschnitt zurück.

Kerstin, das letzte Spiel Deiner langen und erfolgreichen Karriere steht am Pfingstmontag auf dem Programm. Wie ist Deine Gefühlslage vor dem Abschied als aktive Fußballerin?

Durch mein bereits vor Saisonbeginn angekündigtes Karriereende hatte ich ja nun wirklich ausreichend Zeit, mich damit auseinanderzusetzen. Allerdings war ich häufig mit den gerade anstehenden Aufgaben beschäftigt, so dass das Thema Abschied ein wenig in den Hintergrund gerückt ist. Seit dem Spiel in Sand höre ich aber die Uhr ticken und realisiere, dass mein letztes Spiel unaufhaltsam näher rückt.

War es die richtige Entscheidung, das Karriereende bereits im letzten Sommer anzukündigen?

Ja, auf alle Fälle. Ich wollte viele Abläufe noch einmal bewusst wahrnehmen und das habe ich getan. Interessant war, dass ich dabei oft Wehmut, hin und wieder aber auch Freude empfunden habe.

Dein einziger Vereinswechsel in der Bundesliga erfolgte 2004, als Du den FFC Heike Rheine in Richtung Frankfurt verlassen hast. Da warst Du bereits 24 und Nationalspielerin. Warum bist Du den Schritt zu einem Top-Verein relativ spät gegangen?

Man muss ja sehen, dass ich grundsätzlich eine fußballerische Spätzünderin war. Ich habe noch lange mit Arminia Ibbenbüren in der Verbandsliga gespielt, ehe ich nach Rheine gewechselt bin. Dann sind wir abgestiegen und ich konnte den Verein doch nicht in dieser Situation verlassen – ebenso wenig in der Euphorie des Wiederaufstiegs. Also bin ich erst mal in Rheine geblieben, obwohl mich der 1. FFC Frankfurt schon vor 2004 verpflichten wollte.

Wie hast Du den Wechsel von einem Klub, in dem Du das Aushängeschild warst, zum mit vielen Stars gespickten 1. FFC Frankfurt empfunden?

In Rheine war ich ja nicht das alleinige Aushängeschild, die Rolle habe ich zusammen mit Kerstin Stegemann ausgefüllt. Meine Wechselentscheidung war wohlüberlegt, eine Mischung aus Kopf- und Bauchgefühl. Es war in allen Bereichen eine Umstellung für mich: Die höhere körperliche Belastung, die erste eigene Wohnung, zum ersten Mal weg von Freunden und Familie. Ich habe den Job hinter mir gelassen und ein Studium begonnen. Unter dem Strich habe ich eine Saison lang gebraucht, um wirklich anzukommen.

Klingt wie eine Empfehlung an Spielerinnen, nicht gleich hinzuschmeißen, wenn’s nicht auf Anhieb läuft…

Nein, so würde ich das nicht interpretieren. Das ist eine Frage, die jede Spielerin anhand der eigenen Situation für sich selbst beantworten muss.



Beim 1. FFC Frankfurt hast Du in den letzten zwölf Jahren viele Höhen, aber auch einige Tiefen miterlebt. Jetzt kannst Du es ja zugeben: Hast Du jemals einen weiteren Wechsel in Erwägung gezogen?

Ja, das habe ich. Ich war nur für die Zeit meines Studiums von der Stadtverwaltung Rheine freigestellt und das Privileg, wieder dorthin zurückkehren zu können, endete 2009. Und ich habe mir zu dieser Zeit ernsthafte Gedanken um eine Rückkehr gemacht. Allerdings wäre eine Rückkehr zugleich ein sportlicher Rückschritt gewesen.

Es war also eine Entscheidung der Vernunft, in Frankfurt zu bleiben.

Nicht nur. Natürlich hing ich nach mittlerweile fünf Jahren auch am Verein, an meinen Mitspielerinnen, unseren tollen Fans und an der Stadt Frankfurt, die ich auf den zweiten Blick lieben gelernt habe.

Du arbeitest als Beamtin bei der Kämmerei der Stadt Frankfurt. Wenn Dich jemand nach Deinem Beruf fragt – wie lautet die Antwort? Beamtin oder Fußballerin?


Früher habe ich den Fußball nicht als Beruf betrachtet. Doch mittlerweile – wenn man den ganzen Aufwand sieht, der dahintersteckt – sehe ich ihn als meinen Beruf „1B“ an. Aber wenn mich jemand nach meinem Beruf fragt, würde ich zuerst immer sagen, dass ich Verwaltungsbeamtin bin.

Es gibt fast keinen Titel, den Du in Deiner langen Karriere nicht gewonnen hast. Gibt es dennoch besondere Highlights, an die Du Dich besonders gerne zurückerinnerst?

Highlights haben natürlich etwas mit Titelgewinnen zu tun, aber da nehme ich für mich keine Einteilung vor. Jeder Erfolg hat seine eigene, einzigartige Geschichte, die ich damit verbinde. Wichtig war mir immer der Teamgedanke, also dieses Mannschaftsgefühl zu erfahren, das man als Einzelsportler nicht hat. Dazu passt natürlich nicht der Begriff Highlight – es war vielmehr meine Motivation über all die Jahre.

Wenn man Deine Karriere in Bildern nachvollzieht, fällt auf, dass Du Dich optisch kaum verändert hast. Und plötzlich – kurz vor dem Karriereende – ist Dein Zopf, der ja fast schon ein Markenzeichen war, ab. Eine Symbolik für den nun beginnenden neuen Lebensabschnitt ohne Fußball?

Nein, nein, das ist ja völlig überinterpretiert. Die Wahrheit ist, dass ich meinen Friseur gewechselt habe. Und mein neuer Friseur liebt seinen Job offenbar so sehr, dass meine Haare immer kürzer wurden – und plötzlich war der Pferdeschwanz ab. Und dann habe ich durch die kürzere Haarlänge auch noch Locken bekommen…

Wie sehen Deine Planungen für die Zukunft aus?

Natürlich fände ich es interessant, dem Frauenfußball in einer Funktion erhalten bleiben zu können und erste Gespräche in diese Richtung sind bereits geführt worden. Aber zunächst werde ich erst einmal Urlaub machen und den Sommer genießen. Was danach kommt, wird sich zeigen, aber ich möchte auf jeden Fall noch mehr Zeit in meinen Beruf investieren und endlich mehr Zeit für meine Hobbys wie Geocaching, Bouldern oder Reisen finden.

(Bilder: www.harderfoto.de / www.picture-alliance.com -
Jan Hübner / www.huebner-foto.de)

12.05.2016
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