Saisonfazit mit Ausblick

FFC-Cheftrainer Matt Ross und FFC-Manager Siegfried Dietrich lassen die abgelaufene Spielzeit Revue passieren

Der letzte Abpfiff ist ertönt, die Saison 2016/17 in der Allianz Frauen-Bundesliga ist seit Sonntag Geschichte. Wieder einmal herrschte ein großer Wettbewerb in der stärksten Frauenfußball-Liga der Welt und mit dem Kampf um die Champions-League-Qualifikation, den der entthronte Deutsche Meister FC Bayern München erst in den letzten Minuten der Saison für sich entschied, gab es ein echtes „Herzschlag-Finale“. Den Titel sicherte sich zum dritten Mal der VfL Wolfsburg, während es für Bayer 04 Leverkusen und Borussia Mönchengladbach nicht für den Klassenverbleib reichte. Der 1. FFC Frankfurt durchlebte in seinem ersten Umbruchjahr eine Spielzeit mit Höhen und Tiefen, wobei die angestrebte Platzierung in der oberen Tabellenhälfte realisiert wurde. Zudem sicherte sich Mandy Islacker zum zweiten Mal in Folge - und diesmal sogar mit großem Vorsprung - die kicker-Torjägerinnen-Kanone. Wie FFC-Cheftrainer Matt Ross und FFC-Manager Siegfried Dietrich die Saison einordnen, verraten sie im folgenden Interview.

Herr Ross, wie ist aus Ihrer Sicht das erste Jahr des Umbruchs sportlich verlaufen?

Mit Platz fünf in der Endabrechnung blicken wir auf eine durchaus ordentliche Saison zurück, in der wir uns im Rahmen unserer eigenen Erwartungen bewegt haben und in der Mandy Islacker mit 19 Treffern die meisten Liga-Tore geschossen hat. Immerhin haben wir nur fünf Niederlagen einstecken müssen – eine weniger als in der letzten Spielzeit, als wir lange um die Champions-League-Qualifikation gekämpft haben. Insgesamt war es eine Saison mit „Ups“ und „Downs“, da uns über die gesamte Saison die angestrebte Konstanz gefehlt hat. Auf der anderen Seite haben wir gerade in den Vergleichen mit dem Führungsquartett unsere besten Leistungen abgerufen und gegen alle Teams gepunktet. Dies unterstreicht, dass wir uns – wenn die Tagesform passt – durchaus auf hohem Niveau bewegen können. Sehr positiv ist zu bewerten, dass einige unserer bisherigen Leistungsträgerinnen auf einem guten Weg sind, Führungsspielerinnen zu werden. Dass sich in Janina Hechler und Tanja Pawollek zwei 18-Jährige zu Stammspielerinnen entwickelt haben, unterstreicht zum einen, dass wir uns mit unserer neuen Philosophie auf dem richtigen Weg befinden. Das ist aber auch ein klares Signal an alle FFC-Talente, die schon Bundesliga-Spielpraxis gesammelt oder sich in unserem Zweitliga-Team für höhere Aufgaben empfohlen haben. Sie alle nehmen wahr, wo ihr persönlicher Weg hinführen kann und dass sie sich mit guten Leistungen im Erstliga-Kader etablieren können.

Und wie stellt sich die Saison 2016/17 aus der Sicht des Managers dar, Herr Dietrich?

Wir sind mit unserer sportlichen Neuorientierung auf einem guten und realistischen Weg, aber es ist augenscheinlich, dass rund um den Umbruch noch viel Entwicklungs- und Optimierungspotenzial vorhanden ist. Neben der Qualitätsausrichtung mit Leistungsträgerinnen gilt es in erster Linie den eingeschlagenen Weg, junge Spielerinnen auszubilden und sie an die stärkste Frauenfußball-Liga der Welt heranzuführen, konsequent fortzusetzen. Dass wir in Cara Bösl, Janina Hechler, Saskia Matheis und Tanja Pawollek bereits vier Nachwuchsspielerinnen erfolgreich in unser Bundesliga-Team integrieren konnten, darf uns durchaus stolz machen. Dies ist aktuell unter dem Strich wichtiger, als der eine oder andere nicht gewonnene Punkt oder der Ärger über die beiden unnötigen Niederlagen zum Abschluss. Oder anders ausgedrückt: Gemessen an Tabellenplätzen haben wir uns etwas nach hinten, perspektivisch allerdings ein gutes Stück nach vorne entwickelt. Besonders freut mich in diesem Zusammenhang auch, dass unsere engagierten Partner und Sponsoren den von Vorstand und Management eingeschlagenen Weg nicht nur mitgehen, sondern diesen auch ausdrücklich begrüßen. Kurzum: Wir haben 2016/17 ein Fundament geschaffen, auf dem wir nun in allen Bereichen aufbauen können, und wollen für den Verein ergänzend zu unserer großartigen Historie neue Identifikation schaffen.



Herr Ross, was muss passieren, um die angestrebten sportlichen Ziele des Gesamtvereins mit den drei Teams in den höchsten Spielklassen mit übergreifender Wirkung noch nachhaltiger anzugehen?

Wir sehen es als unsere große Aufgabe und Chance, für einen guten Mix aus gestandenen Führungsspielerinnen und Youngstern unsere Nachwuchsförderung noch intensiver zu leben und auszubauen. Unsere Toptalente in der Jugend sind die Stars von morgen und dementsprechend soll ab der nächsten Saison eine noch größere und nachvollziehbare Brücke zwischen unserem Bundesliga-Team, dem Zweitliga-Team und unserer U17-Bundesliga-Mannschaft geschlagen werden. Neben dem Ziel unserer zweiten Mannschaft, sich für die in der Saison 2018/19 eingeführte eingleisige 2. Frauen-Bundesliga zu qualifizieren, sowie dem Anspruch unserer U17-Bundesliga-Juniorinnen, in der kommenden Spielzeit um die Süddeutsche Meisterschaft mitzuspielen, ist die gemeinsame Orientierung, die Durchlässigkeit nach oben zu forcieren und zu fördern.

Herr Dietrich, der 1. FFC Frankfurt investiert – entsprechend seiner sportlichen Orientierung – verstärkt in den Nachwuchsbereich. Wie äußert sich dieses Investment konkret?

Es ist im Fußball nicht anders als in der Schule oder in der klassischen Berufswelt: Wer gut ausbilden will, benötigt gute Ausbilder! Wir engagieren auch im FFC-Nachwuchsbereich bestens ausgebildete Trainer, die über die entsprechenden Qualifikationen und Erfahrungen verfügen, um unsere Talente an höhere Ziele heranzuführen. Darüber hinaus haben wir ja bereits vor Jahren, mit Blick auf die duale Ausbildung, die Kooperationen mit der Carl-von-Weinberg-Schule als Eliteschule des Fußballs sowie dem Olympiastützpunkt Hessen aktiv vorangetrieben. Davon profitieren wir nun, indem wir Internatsplätze sowie eine erstklassige schulische Ausbildung anbieten können. Das ist sowohl für unsere eigenen Spielerinnen essentiell als auch für Gespräche mit potenziellen Neuzugängen. Wenn Eltern ihre minderjährigen Kinder einem anderen Verein – oft in großer Entfernung zur gewohnten Umgebung – anvertrauen, spielt das Gesamtkonzept die Hauptrolle. Und da sind wir bestmöglich aufgestellt.

Herr Dietrich, in den letzten Wochen war hier und da von diversen Missklängen im Innenverhältnis zwischen einigen Spielerinnen und dem Trainerteam zu lesen. Wie bewerten Sie diese Vorgänge?

In Umbruchphasen entstehen aus den verschiedensten Gründen immer wieder Reibungen, die bei Einzelnen zu Unzufriedenheit und in der Folge zu Reaktionen führen. Wenn diese allerdings in Form und Formulierung absolut inakzeptabel sind, dann müssen die Verantwortlichen klare Konsequenzen ziehen.

Herr Ross, wenden wir uns nun der Zukunft zu. Wie laufen die Planungen für die Saison 2017/18 und was ist die Zielsetzung für das zweite Umbruchjahr?

Wir haben bereits jetzt alle Spielerinnen im Boot, die wir für die neue Saison vorgesehen haben – das betrifft sowohl unsere externen Zugänge als auch die bereits erfolgten Vertragsverlängerungen mit Akteurinnen des aktuellen Kaders. Mittlerweile umfasst unser Kader für die Saison 2017/18 mit dem geplanten Mix aus Leistungsträgerinnen und Youngstern bereits 23 Spielerinnen. Natürlich gibt es auf Grund der bekannten Abgänge auch noch weitere Überlegungen für Abwehr und Tor. Ich denke, dass wir diesbezüglich zeitnah Entscheidungen vermelden können. Was die Zielsetzung betrifft, wollen wir uns in allen Bereichen optimieren und damit sportlich weiterentwickeln – als Team, aber auch jede Spielerin individuell. Schön wäre es, wenn sich schon bald auch von den jungen Spielerinnen die eine oder andere immer mehr den Hut der Verantwortung aufziehen kann. Dies ist ein Prozess, der nicht exakt planbar ist, aber man kann die Voraussetzungen schaffen, dass auch das Wort jüngerer Spielerinnen innerhalb des Teams Gehör findet. Alle Spielerinnen, ob junge oder erfahrene, sollen unseren Weg aktiv mitgestalten und sich nicht nur mitnehmen lassen. Und dann wollen wir natürlich auch weitere Talente an die erste Mannschaft heranführen, also quasi die nächsten Hechlers und Pawolleks. Dies wird eine spannende Herausforderung werden, zumal es in der Allianz Frauen-Bundesliga sicherlich wieder eng zugehen wird und man Woche für Woche an sein Limit gehen muss. Das aktuelle Spitzenquartett sehe ich auch für 2017/18 in der „Pole Position“, aber dahinter könnte es noch enger zugehen. Die Aufsteiger 1. FC Köln und Werder Bremen werden sicher alles daransetzen, den Klassenverbleib diesmal zu realisieren. Wir wollen unsere Ausbeute von 37 Punkten steigern – zu welchem Tabellenplatz dies dann reicht, ist vom Wettbewerb abhängig und natürlich schwer prognostizierbar.

Herr Dietrich, in welchen außersportlichen Bereichen will der 1. FFC Frankfurt im nächsten Jahr noch Verbesserungen vornehmen oder sich anders präsentieren?

Die sichtbarste Veränderung betrifft unsere seit einiger Zeit geplante „Videowall“ im Stadion am Brentanobad, die nun hoffentlich im Spätsommer installiert wird. Sie erhöht zum einen den Service für die Stadionbesucher und ermöglicht uns zudem, weitere Vermarktungspotenziale zu nutzen. Sichtbar ist auch eine weitere infrastrukturelle Verbesserung, wenn auch nur in der Dunkelheit: Die Flutlichtanlage im Stadion am Brentanobad wird von der Stadt Frankfurt von aktuell 550 auf 800 Lux aufgerüstet – eine wichtige Maßnahme, um künftig hochwertigere TV-Übertragungen zu ermöglichen. Ganz besonders freue ich mich auch darüber, dass wir nach vielen Jahren erstmals wieder ein richtiges Saisoneröffnungs-Event mit einer Mannschaftspräsentation auf die Beine stellen werden. So können sich unsere Fans am 20. August 2017 bereits frühzeitig mit den neuen Gesichtern vertraut machen und den FFC-Kader der Saison 2017/18 hautnah erleben. Highlight dieses Events ist aber das Testspiel gegen den englischen Meister und Champions-League-Halbfinalisten Manchester City, der nach unserem siegreichen Vergleich auf der Insel zum „Rückspiel“ kommt. Das wird ein großartiger FFC-Tag für unsere vielen tollen Fans, der die Vorfreude auf die Saison nach der für Deutschland hoffentlich erfolgreichen Europameisterschaft steigern soll!

(Bilder: Jan Hübner / Carlotta Erler)

23.05.2017
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