Niederlage fällt zu hoch aus

Der 1. FFC Frankfurt zeigt eine gute Leistung, verliert aber zum Rückrunden-Auftakt 2:6 gegen den VfL Wolfsburg

Zum Rückrunden-Auftakt am zwölften Spieltag der Allianz Frauen-Bundesliga setzte es für den 1. FFC Frankfurt gegen den Deutschen Meister VfL Wolfsburg eine 2:6 (1:3)-Niederlage im letzten FFC-Heimspiel des Jahres im Stadion am Brentanobad.

Der Start für den 1. FFC Frankfurt verlief alles andere als optimal: Den langen Ball von VfL-Innenverteidigerin Nilla Fischer Ball konnte Stürmerin Ewa Pajor zwischen der FFC-Abwehrkette annehmen, legte den Ball quer, sodass Alex Popp den Ball nur noch einzuschieben brauchte (4.). Ein früher Rückstand für den FFC – das hatte sich das Team von Trainer Niko Arnautis an diesem zweiten Adventssontag anders vorgestellt. Eine erste Torannäherung für den Gastgeber gab es durch einen langen Ball, den der VfL aber abfing (10.).

Mehr Chancen hatte der forsche Branchenprimus aus der Autostadt: Janina Hechler foulte VfL-Offensivkraft Popp, der anschließende Freistoß von Pernille Harder kam zentral aufs Tor, verfehlte aber das FFC-Tor. Frankfurts Torfrau Bryane Heaberlin wäre mit ihrer Hand aber zur Stelle gewesen (7.). Laura Freigangs frecher Versuch von der Strafraumgrenze, die Kugel ins lange Eck über VfL-Torfrau Almuth Schult zu versenken, misslang nur haarscharf (15.). Der Gastgeber erholte sich schnell von dem frühen Rückstand und versuchte die Partie ausgeglichen zu gestalten.

Österreichs Offensivkraft Laura Feiersinger probierte es kurz darauf aus ähnlicher Situation FFC-Kollegin Freigang, ihr Ball konnte von Schult erst im Nachgang abgefangen werden – die Nationaltorhüterin ließ den Ball zuvor so abprallen, dass er gefährlich auf der Linie aufschlug. Glück für den amtierenden Doublesieger aus der Autostadt (17.). Pajors Versuch im Gegenzug war zu harmlos, Heaberlin hatte keine Probleme, den Ball aufzunehmen (18.). Doch gegen die Offensivwucht der Wölfinnen war kein Kraut gewachsen: Caroline Hansen bekam im Rückraum des FFC-Strafraums eine abgefälschte Hereingabe von Harder, die die Norwegerin Hansen zentimetergenau ins linke Eck verwerten konnte (23.) – 0:2. Nur zwei Minuten später hätte der VfL fast das nächste Tor nachgelegt: Janina Hechlers Spreizschritt auf der Linie und Heaberlins Einsatz klärten die Situation spektakulär und in höchster Not (25.).

Pajors Schnelligkeit hielt in der nächsten Szene nur die starke und präsente FFC-Keeperin Stand (28.). Frankfurt – von den Niedersächsinnen zurückgedrängt – hatte in dieser Spielphase nur noch wenige Offensivakzente zu setzen, zu oft berannte Wolfsburg das eigene Tor, das der FFC allerdings wacker und mit Kampfgeist verteidigte. Zu allem Überfluss fiel das dritte Gegentor aber nach etwas mehr als einer halben Stunde. Nach einem Durcheinander im Strafraum gab die Schiedsrichterin Karoline Wacker nach einem Zweikampf von Tanja Pawollek und Noelle Maritz einen Foulelfmeter für die Gäste aus Niedersachsen  (31.). Den fälligen Strafstoß verwandelte Hansen souverän (32.). Doppeltes Pech für den FFC: In der Szene vor dem Foul verletzte sich FFC-Defensivspezialistin Laura Störzel, für sie musste Sophia Kleinherne in die Partie

Erst als sich Mittelfeldakteurin Tanja Pawollek ein Herz fasste und vor dem Strafraum abzog, fand die Kugel – auch wenn unhaltbar abgefälscht – den Weg ins Netz des amtierenden Doublesiegers (42.). Das 1:3 war erst das vierte Liga-Gegentor im bereits zwölften Spiel für den Tabellenführer in der Allianz Frauen-Bundesliga, ein Wert, der die unglaubliche Qualität der Niedersachsen aufzeigt. Für Wolfsburg gab es nach einer Ecke noch einen Lattenkopfball von Popp, Pajors Nachschuss aus kurzer Distanz war viel zu hoch angesetzt (44.) – es blieb beim 1:3-Pausenstand.

Die ersten zehn Minuten nach Wiederanpfiff fand das Spielgeschehen zwischen den Strafräumen statt, Offensivszenen gab es auf beiden Seiten nur im Ansatz. Das ganz hohe Tempo von vor der Pause zeigten die Wolfsburgerinnen nicht mehr, es fehlte ihnen vorerst der letzte Zug zum Tor. Das lag aber auch an der Stabilität des FFC, geordnet gegen den Ball zu arbeiten und weniger Räume zu lassen. Frankfurt lauerte geduldig auf seine Chance – und die bekam es: Laura Freigang eroberte den Ball von VfL-Verteidigerin Lena Goeßling und sprintete alleine aufs gegnerische Tor zu, eiskalt schob sie den Ball unter Schult zum umjubelten 2:3-Anschlusstreffer durch (61.). Der 1. FFC Frankfurt ist in dieser Spielzeit daher bislang das einzige Team in der Allianz Frauen-Bundesliga, der dem Branchenprimus mehr als ein Gegentor einschenken konnte.

Doch die Freude währte nicht lange. Nur drei Spielminuten nach dem FFC-Treffer nutzte Pernille Harder ein Durcheinander im FFC-Strafraum nach Eckball aus, den Heaberlin noch bravourös geklärt hatte, und nutzte das Gedränge aus, um den Ball ins Netz zu dreschen (64). Die Treffer fielen nun in kurzen Abständen, kaum hatte Lena Goeßling nutzte eine Flanke zum 5:2 von der rechten Seite, um Heaberlin zu überlisten (69.). Zwei Minuten später hatte Feiersinger die Möglichkeit im Eins-gegen-eins, das 3:5 zu erzielen, doch Schult wehrte ab, der Nachschuss wurde zur Ecke geklärt (71.).

Das Spiel verlief nun offener, mit mehr Abspielfehlern auf Seiten Wolfsburgs, das Frankfurter Mittelfeld wacher und frecher, die Tore spiegelten nicht das Kräfteverhältnis auf dem Platz wieder. Die 1280 Zuschauer im Stadion am Brentanobad sahen ein attraktives Spiel mit offenerem Visier, vielen Offensivszenen auf beiden Seiten. Immer mal wieder wurde Feiersinger mit einem Steckball in die Tiefe Richtung VfL-Tor geschickt, mit etwas Glück hätte mehr daraus werden können (80.). Das sechste Wolfsburg-Tor erzielte die eingewechselte Zsanett Jakabfi. Eine Hereingabe über die rechte Außenbahn fand den Fuß der Ungarin (82.). Ein Schlusspunkt einer fulminanten Begegnung.

Zum Abschluss des Fußballjahres 2018 steht für den 1. FFC Frankfurt eine letzte Auswärtsfahrt an: Am kommenden Sonntag, dem 16. Dezember, gastiert der FFC um 14.00 Uhr bei der TSG 1899 Hoffenheim.

Stephan Lerch, Trainer VfL Wolfsburg: „Ich bin super happy, dass wir das Spiel in Frankfurt gewinnen konnten, weil wir wussten, wie schwer es hier ist zu punkten. Wir sind gut ins Spiel gekommen, die frühe Führung hat uns natürlich in die Karten gespielt. Danach hatten wir das Spiel unter Kontrolle, haben die Führung sogar noch ausbauen können. Nach der Pause hatten wir aber einen Bruch im Spiel, waren zu sorglos in der Defensive, haben zu viele Abspielfehler – da kam der FFC wieder ran. Nach dem 2:3 kann es hektisch werden, wir haben das Ergebnis zum Glück aber klarer gestalten können.“

FFC-Cheftrainer Niko Arnautis: „Mit dem Ergebnis bin ich unzufrieden, mit der Leistung der Mannschaft aber sehr zufrieden, weil sie sehr, sehr stark gefightet hat – ein richtig geiles Spiel von uns. Das schnelle Gegentor zu Beginn war nicht optimal. Wir hatten dann aber gleich Gelegenheiten zum Ausgleich. Wolfsburg hat seine Qualitäten gezeigt, wir aber auch, weil wir dem VfL dann alles abverlangen wollten und mit dem 2:3-Anschluss auch konnten: Wir haben dann aber zu kurz danach das 2:4 bekommen; eine große Unterhaltung für die Zuschauer.“

FFC-Manager Siegfried Dietrich: „Am dritten Spieltag der englischen Woche haben wir uns auch gegen den Tabellenführer Wolfsburg mit einer weiteren Energieleistung über große Strecken der Begegnung stark präsentiert. Mit dem Anschlusstreffer zum zwischenzeitlichen 2:3 konnten wir unsere in den letzten sechs Spielen erarbeitete Offensiv-Qualität untermauern. Zwei Tore mt einer mutigen Spielweise gegen Europas Top-Truppe ist trotz der vielen Treffer der Wölfinnen eine ordentliche FFC-Ausbeute. Jetzt gilt es, trotz der vielen Verletzten, gegen Hoffenheim einen guten Jahresabschlusss zu realisieren und den Platz im Mittelfeld weiter zu stabilisieren."

1. FFC Frankfurt: Heaberlin – Sandvej, Prießen, Störzel (33. Kleinherne), Hechler – Pawollek, Gidion – Aschauer, Feiersinger, Matheis (74. Martinez) – Freigang

VfL Wolfsburg: Schulth – Maritz, Doorsoun-Khajeh (75. Neto), Fischer, Peter, Goeßling – Gunnarsdottir – Maritz, Popp, Hansen (83. Wolter) – Harder, Pajor (63. Jakabfi)

Schiedsrichterin: Karoline Wacker (Marbach)

Zuschauer: 1280

Tore: 0:1 Popp (4.), 0:2 Hansen (23.), 0:3 Hansen (32.), 1:3 Pawollek (42.), 2:3 Freigang (61.), 2:4 Harder (64.), 2:5 Goeßling (69.), 2:6 Jakabfi (82.)

(Fotos: Carlotta Erler)

09.12.2018
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