Diszipliniert, trotzdem verloren

Der 1. FFC Frankfurt muss sich trotz guter Leistung dem Spitzenreiter VfL Wolfsburg 0:3 geschlagen geben

Nach der Niederlage am vergangenen Wochenende beim SC Sand wollte der 1. FFC Frankfurt im Heimspiel im Stadion am Brentanobad für eine Überraschung gegen den noch punktverlustfreien Spitzenreiter VfL Wolfsburg sorgen. Für die Wölfinnen war dieses Ligaspiel am 7. Spieltag der Saison 2019/20 nach dem 6:0-Sieg unter der Woche in der UEFA Women’s Champions League über den FC Twente Enschede bereits die dritte Partie in neun Tagen. Am Ende sahen 2050 Zuschauer –  trotz guter und disziplinierter Frankfurter Leistung – ein 0:3 (0:2) aus Sicht der Hessinnen. Für die weiterhin angeschlagene Österreicherin Laura Feiersinger stand erstmals in dieser Spielzeit der FLYERALARM Frauen-Bundesliga Shekiera Martinez in der Startelf.

Die FFC-Stürmerin ließ die Wölfinnen-Defensive in den Anfangsminuten leicht wackeln, als die 18-Jährige mit ihren schnellen Vorstößen einige Spielerinnen überspielen konnte, der siebenfache  Deutsche Meister kam gut rein ins Top-Spiel vor toller Kulisse. Martinez luchste den Gästen aus Niedersachsen immer wieder die Kugel in deren Vorwärtsbewegung ab. Wolfsburgs Pässe und Flanken waren in der ersten Viertelstunde zu unpräzise oder landeten im Abseits. Erst eine Flanke von Sara Gunnarsdottir auf den kurzen Pfosten auf den Kopf von Pernille Harder brachte die Kugel knapp neben den FFC-Pfosten (16.). Ein weiterer Kopfball ging knapp über das FFC-Gehäuse ins Aus (20.). Kopfbälle nach Flanken schienen das probate Mittel des VfL zu sein, doch Alex Popp wurde noch bedrängt, sodass der Ball zur Ecke geklärt werden konnte (23.). Das erste Mal per Fuß gefährlich wurde eine VfL-Kombination über die linke FFC-Abwehrseite, an deren Ende Popps Abschluss von Bryane Heaberlin zwar entschärft wurde, die deutsche Nationalstürmerin allerdings nach einem Zweikampf mit Janina Hechler am Schienbein verletzt liegen blieb (27.) und ausgewechselt werden musste.

FFC-Offensivszenen waren meist nur im Ansatz gefährlich, es fehlte mitunter die letzte Konsequenz, um dem VfL tatsächlich einen Gegentreffer einzuschenken. Gunnarsdottirs Flanke brachte dann die erwartete Führung: Die Frankfurter Keeperin Heaberlin konnte das hohe Zuspiel nicht entschärfen, die schwedische Stürmerin Fridolina Rolfö stand goldrichtig und köpfte den Ball ins FFC-Netz (38.) und hätte kurz darauf allein aufs Tor zulaufend sogleich erhöhen können (39.). Doch wenige Minuten später nutzte Harder die Gelegenheit, einen Foulelfmeter zum 2:0-Pausenstand zu verwandeln (42.). Die US-Torfrau im Frankfurter Kasten verhinderte mit zwei Glanzparaden sogar noch das 0:3. Individuelle Qualität hatte Wolfsburg in einem intensiven Spiel nach vorne gebracht – denn bislang hatte der deutsche Rekordmeister mit viel Aufwand die gefürchtete Offensive des amtierenden Meisters in Schach gehalten, beziehungsweise auf ein Minimum eingeschränkt.

Die Wölfinnen hatten sich zum Seitenwechsel etwas vorgenommen, wollten ihre Qualitäten unter Beweis stellen: Rolfö tanzte gleich zwei FFC-Verteidigerinnen aus und knallte den Ball an den Pfosten (47.). Danach passierte nicht viel, bis FFC-Verteidigerin Sophia Kleinherne per Eigentor Wolfsburg Führung ausbaute. Das FFC-Defensivass lenkte mit seiner Fußspitze einen Gunnarsdottir-Schuss höchst unglücklich ins eigene Tor (53.). Direkt im Vorfeld dieser Szene war FFC-Innenverteidigerin Laura Störzel ohne gegnerische Einwirkung vor dem eigenen Strafraum liegengeblieben, Wolfsburg spielte diese Szene aber bis zum 3:0 zu Ende.  Kurz darauf ging es nicht mehr weiter für die 27-Jährige, Yvonne Weilharter ersetzte Störzel. In der Folgezeit plätscherten viele Situationen vor sich hin – erst einer der Konter über Martinez, die den Ball auf die mitgelaufene Laura Freigang ablegte, brachte die VfL-Defensive wieder etwas mehr in Bedrängnis (69.). Die Angriffe der Gäste aus Niedersachsen waren nicht mit der spielerischen Qualität vorgetragen, die die Wölfinnen zuletzt ausgezeichnet hatte. Ein Eckball für die Gastgeberinnen aus Hessen kam gefährlich aufs VfL-Tor gesegelt, ansonsten hatte aber auch Frankfurt keine nennenswerte Offensivaktion mehr. Bitter für den Verein aus der Autostadt, dass auch Rolfö kurz vor dem Schlusspfiff das Spielfeld verletzt verlassen musste. Während Wolfsburg seine Tabellenführung weiter ausbaute, verweilt der FFC auf Rang fünf mit zwölf Punkten. Die Chance für den FFC, in der FLYERALARM Frauen-Bundesliga wieder zu punkten, hat das Team vom Main am kommenden Sonntag, dem 27. Oktober, um 14.00 Uhr im Ruhrgebiet beim MSV Duisburg.

Stephan Lerch, Cheftrainer VfL Wolfsburg: „Ich bin ein bisschen hin- und hergerissen. Klar überwiegt am Ende die Freude über das Ergebnis, aber wir sind schon dezimiert angereist und hatten einige Ausfälle. Nach dem Spiel haben wir mit Alex Popp und Fridolina Rolfö zwei weitere dazugekommen – ich hoffe, dass beide nicht länger verletzt ausfallen. Denn gerade offensiv haben wir derzeit nicht so viele Optionen. Aber ich bin unglaublich stolz, dass meine Mannschaft die Bedingungen und den Kampf angenommen hat. Wir haben zwar ein paar Kontakte gebraucht; bis wir drin waren, hat es 20 Minuten gebraucht, dann aber haben meine Spielerinnen alles super umgesetzt, eine sehr reife Leistung trotz der Ausfälle gezeigt und die Partie souverän zu Ende gespielt, nicht immer so klar, aber wir haben aus dem Spiel fast nichts zugelassen: Ich bin sehr stolz, wie wir hier gegen einen disziplinierten und organisierten Gegner aufgetreten sind. Der FFC hat einen ausgewogenen Kader, das macht die Aufgabe hier immer sehr spannend.“

FFC-Cheftrainer Niko Arnautis: „Ich hoffe, dass bei den beiden Verletzten nichts Tragisches ist, gute Besserung den beiden! Ich glaube, dass wir sehr, sehr diszipliniert und gut organisiert gegen eine enorm spielstarke Mannschaft aufgetreten sind. Der VfL ist neben Lyon die beste Mannschaft, wenn sie vollständig ist. Meiner Mannschaft muss ich ein Kompliment machen, wir sind sehr gut in die Partie gekommen, waren sehr mutig, haben die Räume eng gemacht, waren diszipliniert, haben die Zweikämpfe angenommen. Wenn Wolfsburg Räume hinter den Ketten hat, erspielen sie sich Möglichkeiten. Wir mussten sehr viel laufen, haben das übers ganze Spiel gut gemacht. In der einen oder anderen Situation Präzision gefehlt, hatten gute Situationen und Ansätze, gerade zu Beginn. Wolfsburg hat verdient gewonnen, aber wir haben dem VfL im Rahmen in unseren Möglichkeiten das Leben schwer gemacht und gut gespielt. Für eine kleine Überraschung muss man mit 0:0 in die Pause gehen und dann muss alles passen. Kompliment an Wolfsburg, aber auch an uns, wir haben dem Meister alles abverlangt!“

FFC-Manager Siegfried Dietrich
: "Eine 3:0-Niederlage ist immer bitter, aber wie sich unsere Mannschaft heute vor mehr als 2000 Zuschauern gegen den bisher ungeschlagenen Meister Wolfsburg präsentiert hat, war wirklich sehr leidenschaftlich und zeigt, dass wir mit unserem Team und auch mit der Leistung unserer Nachwuchstalente nach dem erfolgreichen Saisonstart auch weiterhin auf einem guten Weg sind! Jetzt gilt es am nächsten Sonntag in Duisburg, die Entwicklung zu bestätigen! Insgesamt blicken wir auf ein erfolgreiches FFC-Wochenende zurück: Die 'Zweite' hat mit dem 3:1 in Cloppenburg weitere wichtige Punkte gesammelt und unser U17-Bundedligateam konnte mit einem 4:0 gegen Bayern München glänzen!"

1. FFC Frankfurt: Heaberlin – Aschauer, Kleinherne, Störzel (56. Weilharter), Hechler – Pawollek, Mauron – Dunst (74. Gidion), Freigang, Reuteler – Martinez (74. Nüsken)

Vfl Wolfsburg: Lindahl – Rauch, Goeßling, Janssen, Maritz – Neto (59. Engen), Gunnarsdottir, Jakabfi (76. Wolter), Rolfö – Popp (32. Blässe), Harder

Tore: 0:1 Rolfö (38.), 0:2 Harder (42./Foulelfmeter), 0:3 Kleinherne (53./Eigentor)

Schiedsrichterin: Christina Biel (Siesbach)

Zuschauer: 2050

Gelbe Karten: Aschauer / Popp

 

(Fotos: Carlotta Erler)

20.10.2019
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